Aus archäologischen Ausgrabungen bearbeite ich Wirbellosenreste, zumeist sind es Insektenbruchstücke (Flügeldecken) .
Die ältesten Grabungen für dies Untersuchungen stammen aus der Bandkeramik (Brunnen aus
Erkelenz-Kückhoven und aus Zwenkau und Plaußg / Raum Leipzig), weiter Funde aus
Feuchtbodensiedlungen wie Seeufersiedlungen um den Bodensee, Moorsiedlungen aus Oberschwaben,
einer Flußufersiedlung Pestenacker /Bayern, sowie latènezeitlichen Siedlungen
aus Porz-Lind bei Köln und vom Ohrenberg am Nördlinger Ries, römerzeitliche
Brunnen aus dem Braunkohletagebau Hambacher Forst, die jüngsten Funde stammen von
mittelalterlichen Latrinen aus Konstanz.
Diese subfoßilen Wirbellosenreste können genauso
wie botanische Großreste zu Umweltrekonstruktionen herangezogen werden. Von ganz besonderem
Interesse sind dabei die synanthropen Arten, da diese Arten im engen Umfeld der Menschen leben und auf
menschliche Siedlungstätigkeiten angewiesen sind. Sie geben heute Auskünfte über
anthropogenen Umweltveränderungen, über Vorratshaltung und Wirtschaftsweise.
Die jüngste Grabung stammt aus mittelalterlichen
Latrinen aus Konstanz, die älteste aus der
Bandkeramik, damit wären die ältesten Käferreste
etwa 7000 Jahre alt. Mit diesen Käferresten wird
versucht, eine Umwelt, wie sie damals ausgesehen
ghaben könnte, zu rekonstruieren, dabei handelt
es sich um Arten, die aus der Umgebung stammen,
Offenlandarten, Gebüsch- und Waldarten, Arten
feuchter und aquatischer Biotope.
Von ganz
besonderem Interesse sind jedoch Aussagen über
Wirtschaftweise und/oder Vorratshaltung. Dies ist
möglich mittels Resten von syanthrope Arten,
also Arten, die in der Nähe des Menschen leben
und aus seinen Siedlungsaktivitäten den größten
Nutzen gezogen haben. Hierzu gehören
Fliegenpuparienhüllresten, die in verschiedenen
neolithischen Feuchtbodensiedlungen aus dem
Federseebecken in hohen Anzahlen gefunden wurden
sowie Vorratschädlingen wie Kornkäfer, Schwarzer
Getreidenager, Hausungeziefer mit Messingkäfer ,
Kugelkäfer, Pelzkäfer und auch
Kulturpflanzenschädlinge, die allesamt zahlreich
in Verfüllschichten von bandkeramischen Brunnen
gefunden wurden. Der flugunfähige Kornkäfer
stammt aus dem vorderen Orient und muß den Funden
nach zu urteilen zusammen mit den ersten
seßhaften Siedlern in der Bandkeramik bereits
eingeführt worden sein.
Diese Kornkäferfunde
zusammen mit anderen Vorkommen synanthroper Arten
belegen, daß die frühen Siedler keineswegs in
paradiesischen Zuständen lebten, wie es teilweise angenommen wird.
Wirbellosenbruchstücke können ebenso
wie botanische Großreste oder Knochenfunde zu
Umweltrekonstruktionen sowie zur Aussagen zu
Wirtschaftsweise oder Vorratshaltung herangezogen
werden, das umso mehr als daß die Tiere in der
Regel schneller als Pflanzen auf
Umweltveränderungen reagieren.
Allerdings bleibt
letztlich nur ein geringer Teil einer ehemaligen
Wirbellosenfauna erhalten. Eine Feuchterhaltung
besteht zumeist in See- und Flußufersiedlungen
sowie in Moorsiedlungen, in Brunnen und Latrinen,
dagegen gibt es in Trockenbodengrabungen keine
Käferresre, zuweilen kommen Schneckenschalen vor.
Ein Großteol der Funde machen Insektenreste aus,
wie Käferbruchstücke, Fliegenpuparienhüllen und
verschiedenen Mundwerkzeuge. In den
seeufersiedlungen kommen überwiegend Schalen von
Muscheln und Wasserschnecken vor.
Käferbruchstücke, in der Regel Flügeldecken, aus
Chtin bleiben unter Sauerstoffabschluß im
dauerfeuchten Milieu und bei niedrigen
Temperaturen erhalten. In basenreichen
Sedimenten findet man in hohen Anzahlen Schalen
von Schnecken und Muscheln, Käferreste bleiben in diesem Milieu kaum erhalten.